Süße Kindheitserinnerung: Wie habe ich sie geliebt, die Knoff-Hoff-Show...
Nun hat sich, wie wir alle wissen, der promovierte Physiker, Wissenschaftsjournalist und Moderator Joachim Bublath gestern der Pein ausgesetzt, in Sandra Maischbergers Talkshow einer Diskussionsrunde zum Thema „UFOs, Engel und Außerirdische“ beizuwohnen.
Man kann auch und gerade derartige Themen auf hohem Niveau diskutieren, zumal neben Bublath noch der – sehr spekulationsfreudige – Autor Johannes von Buttlar und der mir nicht bekannte Herr Walter von Lucadou von der Para-Psychologischen Beratungsstelle in Freiburg geladen waren. Das hätte eine wirklich gute Diskussionsrunde sein können mit den dreien, zumal mit von Buttlar einer der wenigen Para-Knilchen anwesend war, die ihre Thesen zumindest sachlich und gelegentlich auch kenntnisreich vertreten können.
Stattdessen wurde die Veranstaltung zu einer Parabel auf den Geisteszustand unserer Gesellschaft. Denn Sandra Maischberger hatte – und welcher Teufel sie da geritten hat, wird auch sie selbst nicht erklären können – die bekanntermaßen dachschadenbehaftete Nina Hagen sowie die vergleichbar seriöse wohlfühl-Engelssülzerin Sabrina Fox eingeladen.
Und was dann geschah ist in vielerlei Hinsicht ziemlich typisch. Eine Diskussion im eigentlichen Sinne fand nämlich nicht statt. Dagegen durften die beiden Damen ausgiebig erzählen, woran sie denn nun glauben. Das gilt heutzutage schon als ernsthafter Diskussionsbeitrag.
Womit das generelle Problem auch schon identifiziert wäre. Warum hat Frau Maischberger denn wohl Hagen und Fox eingeladen? Damit sie jemanden in der Sendung hat, der „persönlich“ was darüber sagen kann. Das Persönliche wiegt in der öffentlichen Wahrnehmung weit schwerer als Sachkenntnis. Betroffen hat man zu sein, heutzutage. Dann kann man auch nach Belieben Unsinn quatschen.
Im Moment wird ein großes Buhei darum gemacht, dass Nina Hagens Geistesverwirrung Bublath aus der Sendung vertrieben habe, aber Sabrina Fox war mindestens genauso schlimm, mit ihrem wunschdenkerischen Psycho-Gesülze. Sie dürfte Bublath mit seiner „Therapie“-Bemerkung zuallererst gemeint haben, wohlwissend, dass Nina Hagen nicht mehr zu therapieren ist.
Das größte Ärgernis der Sendung war allerdings der Physiker und Psychologe Walter von Lucadou. Einen klaren Standpunkt einzunehmen hat er sich nicht getraut, obwohl er selbst am besten wissen müsste, dass die meisten „parapsychologischen“ Geschichten selbst beim flüchtigen Hinschauen sehr schnell keine mehr sind. Stattdessen kniete der Mann vor dem Primat des Persönlichen, wand sich im könnte-vielleicht der Nichtreproduzierbarkeit persönlicher Erfahrungen. Ein klassisches Bild, in dem sich das sowohl-als-auch-tu-niemandem-weh-Gehabe widerspiegelt, mit dem sich die Geistes- und Sozialwissenschaften seit Jahrzehnten in die totale Irrelevanz befördern.
So war der Weg frei für den klaren Gewinner der „Diskussions“runde. Johannes von Buttlar hat es zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich soweit wie möglich an die Durchgeknallten anzuschmiegen, ohne selbst einer zu werden. Die Linie hat er gestern konsequent durchgezogen und wirkte dabei nachgerade staatsmännisch. Dabei ist er im Grunde ein Blender. Bublath hätte ihn, eine ernsthafte Debatte vorausgesetzt, ziemlich zerlegt, zumindest wenn er immer noch so halbgar argumentiert wie früher in seinen Büchern.
So offenbart sich der gesellschaftliche Makrokosmos im Maischbergerschen Mikrokosmos: Gequatscht wird hauptsächlich über die eigene Befindlichkeit, wer sich gegen die Diktatur des Subjektiven auflehnt wird niedergeschrien und vertrieben, man verkriecht sich in weichgespültem Relativismus und am Ende gewinnt derjenige, der den Irrsinn am intelligentesten nachplappert.
Wir sind eine Gesellschaft, die nicht das geistige Rüstzeug besitzt, um ihre Probleme zu lösen. Das ist die Lehre aus dem Fall Maischberger. Und ein sehr schlechtes Omen für die Zukunft.
shaveskin
Pro

wie wärs, wenn wir die "Bekloppten" gleich wieder alle aussortieren, aber vorher die frage, wer legt fest, wer bekloppt ist, DU?