Gestern in Berlin hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft, immerhin Europas größte Organisation zur Förderung von Forschungsprojekten, ihr neues Videoprojekt vorgestellt. Im DFG Science TV werden zehn ausgewählte Forschungsprojekte von den beteiligten Wissenschaftlern filmisch begleitet.
Über die nächsten drei Monate soll jede Woche eine neue dreiminütige Folge über die Fortschritte der Projekte unterrichten. "DFG Science TV macht Wissenschaft sichtbar" verspricht die Website. ich habe mal reingeguckt, ob die Filme ihr Versprechen auch halten.
Der erste Eindruck von der Seite ist schon mal positiv. Da hat sich jemand Mühe bei der Optik gegeben. Allerdings fällt auf, dass ein RSS-Feed fehlt, es gibt nur eine E-Mail-Benachrichtigung.
Die Projekte jedenfalls klingen alle ziemlich spannend. Mein pwersönlicher Favorit ist natürlich das Projekt "Sinking Coasts", das sich mit Entstehung und Entwicklung der Ostsee befasst. Ich vermute sehr stark, dass wir uns auf reichlich spektakuläre Bilder vor allem der Unterwasserarchäologie freuen können.
Die DFG hat sowieso ein Faible für Unterwasseraufnahmen, wie es scheint. Neben der Ostsee bekommen wir Killer-Flohkrebse auf dem Bodensee und natürlich Ozeanographie, die Paradedisziplin der deutschen Wissenschaft, geboten. Gespannt bin ich auch auf dieses Projekt über Megastädte. Das Thema habe ich hier ja auch vor einer Weile mal behandelt und trage mich mit dem Gedanken, irgendwann nochmal eine große Serie darüber zu machen. Wenn ich mal mehr Zeit habe.
Dazu kommen zweimal Roboter, Denkmalschutz, Hochleistungsbeton, Dinos und der unvermeidliche Regenwald. Jedes Projekt hat seine Informationsseite, die allerdings nach meinem Dafürhalten teilweise etwas knapp gehalten ist. Zum Glück gibt es zusätzlich immer noch weiterführende Links für Leser, die etwas tiefer in die Materie einsteigen möchten.
Straff und kurzweilig
Die Filme selbst gefallen mir gut, sind allesamt straff und kurzweilig erzählt. Genervt haben mich allerdings die lahmen Allgemeinplätze zu Beginn des Marum-Films. "Mehr als siebzig Prozent unseres Planeten..." blablabla. Tiefer kann man eigentlich kaum in die Klischeekiste greifen. Aber gut, das war jetzt auch das einzige, was mir wirklich negativ aufgefallen ist. Die Wissenschaftler führen die Kamera und sind wohl auch für das grundsätzliche Konzept zuständig, den letzten Schliff verpassen den Filmen jedoch Profis, was den Clips sichtbar gut tut.
Man merkt den Beiträgen den Anspruch an, Forschung nicht nur auf ihre Ergebnisse zu verkürzen, sondern Wissenschaft als Prozess darzustellen. Die Ansätze sind da durchaus unterschiedlich. Beim Bergregenwald bekommt man erstmal zusammen mit gefälligen Bildern eine allgemeine Einführung, während die Forscher beim - zugegebenermaßen vertrauteren - Bodensee praktisch sofort ins Thema einsteigen.
Ob die Videotagebücher des DFG Science TV dem selbstgesteckten Anspruch gerecht werden, Forschung lebensnah, realistisch und zugleich spannend zu vermitteln, kann man natürlich nach der ersten Folge noch nicht sagen. Ein interessanter Ansatz ist es allemal, und das, was dort zu sehen ist, macht Appetit auf mehr.
PenelopeSmith
Pro 

Von Wissenschaftlern werden gewisse Klischees erwartet wie;
doch gut rein?Dicke Brillengläser,
Blitzdingsgeräte und blubbernde Röhrchen,
irres Lachen und
zusammenhangloses Gefasel.
Da passt das
PS; Mum hat somit einen neuen Sender und wir mehr Ruhe. Danke!