Jetzt ist sie also auch verboten, die gute alte Glühbirne, in Acht und Bann geschlagen wegen Energieverschwendung. Nicht unbedingt ein Fall für den Gesetzgeber, sollte man meinen. Aber an und für sich sind Energiesparlampen, genauer gesagt Kompaktleuchtstofflampen, eine gute Idee.

Die Reaktion war allerdings absehbar. Schließlich ist dies Nostalgierepublik Deutschland, in der die Ewiggestrigen eine strukturelle Mehrheit haben, und zu Uropas Zeiten, da gab es halt keine Energiesparlampen. Deswegen sind Energiesparlampen böse. Die Behauptungen, die da ziemlich wahllos aus der Grabbelkiste gekratzt vorgebracht werden, sind im Wesentlichen diejenigen, die grundsätzlich aufkommen, wenn irgendwo eine neue Technik auftaucht: Elektrosmog. Unnatürlich. Umweltschädlich. Irgendwie giftig. Unnatürlich. Fühlt euch gefälligst schlecht!

Glücklicherweise ist in diesem Fall zur Abwechslung tatsächlich alles halb so wild.

Quecksilber
Energiesparlampen enthalten natürlich Quecksilber, jede ungefähr drei Mikrogramm. Deswegen sollte man die Dinger natürlich nicht Dutzendweise beim Polterabend zerschmeißen, sondern brav zum Recyclinghof bringen. Das muss man eh jetzt mit allen alten Elektrogeräten machen, wegen der Platinen. Dann gelangt auch kein Quecksilber in die Umwelt, und deswegen spricht sich auch Florian Noto, dessen Blogtitel "Quecksilber – Nein Danke" eigentlich Programm ist, für die Geräte aus.

Der springende Punkt ist allerdings, dass alle Elektrogeräte quasi versteckte Quecksilberemissionen verursachen, und zwar über die Kohle, die zur Stromerzeugung verbrannt wird. Kohlekraftwerke sind für zwei Drittel der Quecksilberemissionen Deutschlands verantwortlich. Was das für die einzelne Birne bedeutet, rechnet Maria Elander von der Deutschen Umwelthilfe vor:

Ein Rechenbeispiel illustriert die Quecksilberbilanz: Eine 60-Watt-Glühlampe verursacht durch ihren Stromverbrauch knapp ein Milligramm Quecksilberemissionen pro Jahr, eine gleich helle 11-Watt-Energiesparlampe dagegen nur 0,2 Milligramm. Der anteilige Quecksilberinhalt der Energiesparlampe mit 10.000 Stunden Brenndauer beträgt zusätzlich maximal ein halbes Milligramm Quecksilber pro Lebensjahr, das allerdings bei der korrekten Entsorgung nicht in die Umwelt gelangt. Selbst wenn die Energiesparlampe nicht ordnungsgemäß entsorgt wird, verursacht sie durch den eingesparten Strom geringere Quecksilberemissionen als die Glühlampe.

Quelle (pdf), gefunden bei Florian.

Der Haken ist natürlich, dass gerade mal zehn Prozent der in Privathaushalten anfallenden Lampen ordnungsgemäß entsorgt werden. Der Rest scheint im Hausmüll oder auf dem Polterabend zu landen. Das ist suboptimal, aber auch dafür gibt es Lösungen. Die Wirtschaft entsorgt übrigens 90 Prozent ihrer Leuchtstoffröhren ordnungsgemäß.

"Elektrosmog"
Das hier ist auch so ein Dauerbrenner gegen alles und jeden. Ob das nun Mobilfunkmasten sind, Handys oder eben Energiesparlampen, alles was mit Strom läuft und neu ist – Elektrosmog. Wie langlebig der Unsinn ist, durfte ich kürzlich am Beispiel Mobiltelefone auf der WissensWerte erleben. Und bei der Gelegenheit war gut zu sehen, dass sich die These von der Gefährlichkeit hauptsächlich durch selektive Wahrnehmung und dreiste Fälschung in der Öffentlichkeit hält. Man kann davon ausgehen, dass das Theater auch bei den Energiesparlampen funktioniert.

Dabei ist das Thema im Wesentlichen erledigt. Energiesparlampen erzeugen elektrische und magnetische Felder in zwei sehr unterschiedlichen Frequenzbereichen. Wie diese Untersuchung (pdf) der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zeigt, wird der Löwenanteil der elektromagnetischen Strahlung bei 50 Hertz abgestrahlt. Die Feldstärken in 30 Zentimeter Entfernung liegen etwa zwischen 70 und 120 Volt pro Meter. Das wird dann gern als extreme Gesundheitsgefährdung interpretiert, schließlich verlangt die TCO-Norm für strahlungsarme Bildschirme Feldstärken von unter 10 Volt pro Meter.

Was dabei unterschlagen wird ist der Umstand, dass hier der Unterschied zwischen Glühlampen und Energiesparlampen gar nicht so wahnsinnig groß ist. Ist ja auch klar, denn alle elektrischen Geräte, die ans Netz angeschlossen sind, ziehen den 50-Hertz-Wechselstrom.

Die eigentliche Leuchtstoffröhre arbeitet allerdings im Kilohertzbereich. Das Frequenzspektrum ist hier deutlich komplexer als beim Netzstrom: Neben der eigentlichen Arbeitsfrequenz erzeugen sie Wechselfelder auch bei den "Obertönen" der Arbeitsfrequenz. Elektrosmog-Gläubige sehen bei so was dann, dass die Frequenzkurve irgendwie unordentlich aussieht und nennen das dann "schmutzige" Strahlung, die wesentlich schlimmer sein soll als glatte Sinuskurven. Eine Argumentation von erschütternder Schlichtheit. Belege fehlen.

Das ist aber auch gar nicht der Punkt. Wie wir in der ETHZ-Studie nachlesen können, sind die elektrischen Feldstärken in diesem Frequenzbereich quasi vernachlässigbar. Sie liegen in 30 Zentimeter Entfernung von der Lampe unter dem von der TCO-Norm vorgegebenen Wert von einem Volt pro Meter. Die "Obertöne" sind noch ein ganzes Stück schwächer, weil die Feldstärke mit steigender Frequenz abnimmt.

Ich kann an diesem Punkt nur empfehlen, sich zumindest über die gesundheitlichen Effekte von Energiesparlampen keine übermäßigen Sorgen zu machen (das sieht die Stiftung Warentest übrigens auch so). Das ist hier übrigens ganz buchstäblich gemeint – denn ein großes Risiko gibt es hier nämlich tatsächlich: Den Nocebo-Effekt.

Das ist das Gegenteil vom Placebo-Effekt und er funktioniert ganz genau so. Wer fest daran glaubt, dass man von Energiesparlampen krank wird, der kriegt halt irgendwann Kopfschmerzen. Die Welt ist voll von Scharlatanen, die den Leuten erzählen, dass sie sich gefälligst krank zu fühlen haben, sobald sie einen Handy-Mast, eine Windkraftanlage oder jetzt eben eine Energiesparlampe sehen. Also Vorsicht vor den Krankrednern.

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Es sei noch darauf hingewiesen, dass Energiesparlampen in anderer Hinsicht ihre Tücken haben. Leider kann man sie nicht so mal eben gedankenlos im Laden aus dem Regal ziehen, sondern muss sich vorher überlegen, welche Anforderungen das gute Stück erfüllen soll und was für ein Fabrikat man da am besten nimmt. Sonst ist das Ergebnis gerne mal ziemlich enttäuschend.

Eine ausführliche Übersicht, worauf man beim Kauf einer Energiesparlampe achten muss, erscheint Montag im Hamburger Abendblatt. Hoffentlich auch online. Wenn nicht, gibt es den Artikel bald hier.