Was haben Nepal, Kalifornien, Südostaustralien, Uruguay, China und Südindien gemeinsam? An all diesen Orten und einigen mehr herrscht derzeit Dürre. Das allerdings sind nur die auffälligsten Symptome eines globalen Problems. Flüsse und Seen trocknen aus, Speichergesteine leeren sich mit rasanter Geschwindigkeit und in Küstennähe versalzt das Grundwasser. Selbst im berüchtigt regenreichen England erzwingt Wassermangel inzwischen regelmäßig Rationierungsmaßnahmen. Dem blauen Planeten geht das Wasser aus.
Deswegen hat sich irgendwer mal analog zum Peak Oil den Peak Water ausgedacht. Als Zitat von Peter Gleick, Präsident des Pacific Institute und Autor diverser offenbar ganz brauchbarer Publikationen zum Thema Wasser, tauchte Begriff kürzlich auf Canada.com und macht seitdem verschärft die Runde. Höchste Zeit, das Bild ein bisschen zurechtzurücken, bevor sich das ausbreitet.
Mir geht die Peakhurerei nämlich inzwischen ziemlich auf den Sack. Sobald heutzutage jemand sagen will, dass von irgendetwas aus welchen Gründen auch immer zu wenig da ist, zieht er den Peak aus der Tasche, ob bei Wasser, Phosphat oder Kaffee. Aber ein Peak ist nun mal kein modisches In-Wort für Verknappung, sondern ein Fachbegriff für das Verhalten einer endlichen Ressource. Ein Peak basiert auf vier grundlegenden Voraussetzungen:
1) Die Ressource ist endlich
2) Sie wird bei der Nutzung unwiederbringlich zerstört
3) wir verbrauchen sie mit der jeweils maximal möglichen Rate
4) es wird immer schwerer, neue Ressourcen zu finden
Fasst man diese vier Bedingungen in mathematische Formeln, ergibt sich eine Glockenkurve, die man nach M. King Hubbert als Hubbert-Peak bezeichnet. Davon kann beim Wasser gar keine Rede sein.
Die Erde besitzt etwa 35 Millionen Kubikkilometer Süßwasser, das meiste davon gebunden in Form von Eis und Schnee. Hinzu kommt weit mehr als eine Milliarde Kubikkilometer Salzwasser in den Ozeanen. Die Menschheit verbraucht laut Gleick jährlich 3700 Kubikkilometer.
Und dieses Wasser wird, im Gegensatz zu Öl, auch zum Großteil nicht vernichtet, sondern geht in den Kreislauf zurück: Es verdunstet oder versickert in dem Feldern oder gelangt – geklärt oder ungeklärt – zurück in die Flüsse. Nur ein kleiner Teil der Reserven, die fossilen Reservoirs in Saudi-Arabien zum Beispiel, erneuert sich tatsächlich nicht. Und da sich Wasser effektiv in einem Kreislauf bewegt, wird es auch nicht sukzessive schwerer, neues Wasser aufzutreiben. Regen, Flüsse und Grundwasser wird es immer geben.
Falsche Bilder, falsche Rezepte
Deswegen ist es beim Wasser grundfalsch, von einem Peak zu reden, denn der Begriff suggeriert eine Parallele zum Öl, die so nicht existiert. Diese Betrachtungsweise birgt die ganz reale Gefahr, hier die völlig falschen Rezepte gegen den Wassermangel zu propagieren.
Die größte Bedrohung für die globale Wasserversorgung, die sich aus dieser Analogie ergibt, ist der marktwirtschaftliche Handel von Wasserrechten – und gerade dessen Befürworter berufen sich auf die Erfahrungen im Ölgeschäft: Setzt der Markt den Preis fest, stehen mit höheren Preisen auch schwerer zu erreichende Quellen zur Verfügung, und die Gesamtmenge an verfügbarem Öl nimmt zu.
Das wäre beim Wasser natürlich ein gefährlicher Trugschluss, denn hier kommt der umgekehrte Effekt zum tragen: Je weniger Wasser zur Verfügung steht, desto höher ist der Preis. Es lohnt sich also, nur das leicht erreichbare, immer wieder vom Himmel fallende Wasser zu ernten, gerade wenn die Menge nicht für alle reicht. Wasserreserven zu privatisieren verringert deswegen die zur Verfügung stehende Wassermenge. Nicht umsonst weist der Hydrologe Christian Leibundgut in diesem Artikel darauf hin, dass Wasser dort am besten genutzt wird, wo es noch als Gemeingut behandelt wird.

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